Rezensionen

 

Beim Verlag Die Furt ist ein Erzählungesband mit dem

Titel Zusammengesperrt erschienen.

Dazu erscheinende Rezensionen sollen an dieser Stelle

aufgeführt werden.

Weil einTeil der Rezensionen nur als PDF-Datei vorliegen und weil man,

um diese in die Homepage zu kopieren ein extra (auch extra teures) Progarmm

benötigt, ist es bisher nicht gelungen, sie an dieser Stelle aufzuführen.

 

 

 

 

    Zusammen zu Füßen der Arche

    Zur Buchpremiere von Erika Wollaniks „Zusammengesperrt“

 

   Ging man sich in der biblischen Arche von Tag zu Tag immer mehr auf den Geist? Oder rückte man einfach nur zusammen, kam sich näher und nutzte die Gelegenheit? Die Buchpremiere von Erika Wollaniks „Zusammengesperrt“ zu Füßen der sogenannten „Arche“ in der Stadtpfarrkirche Müncheberg verleitete zu solchen Gedanken. In das Gebäude ist bekanntlich ein vier Etagen hoher Baukörper eingefügt worden, der an eine Arche erinnert. Hier nun las kürzlich vor großem Publikum die Autorin Geschichten und Verse über Menschen vor, die zufällig zusammenkommen oder sich umständehalber zusammen finden müssen. Menschen geraten in einen unerwarteten Lebensfahrtabschnitt, eventuell mit Wendemöglichkeit, und werden am Ende irgendwo abgesetzt oder setzen sich ab.

Der Titel „Zusammengesperrt“ klingt nach politischer oder pädagogischer Verärgerung, aber darum geht es nicht. Die Autorin lebt vor Ort und bewältigt das Leben schlechthin zusammen mit anderen. Das ist allein und im Detail schon eine anstrengende Leistung und Erika Wollanik erzählt davon. Mitunter  scharf und spitz, dann wieder berührend verlegen, meist zurückhaltend bestimmt. Man kann sie nicht  zur Seite schupsen, sie drängt sich aber auch nicht auf. Will auch nicht angestrengt lustig sein, wo es ihr ernst ist. Sie schreibt genau, überlegt und immer leicht launig in Richtung eines freundlich erwarteten Lesers. Zwar macht sie sich einige Sorgen, wer die Geschichten eigentlich wirklich erlebt und wer sie nur erzählt, wer alles bedenkt und wer was auftrieselt. Aber der Leser lässt sich durch keine fingierte Figur täuschen, die Autorin ist immer sie selbst und ganz da und vor Ort einschlägig bekannt. Für Erika Wollanik ist das Schreiben, wie sie selbst sagt, der Angelhaken, an dem sie sich im Strom der Zeit am Leben zu erhalten vermag. Seit 1975 mit Erzählungen, Hörspielen und Sonetten ( die mit dem roten Punkt) für alle Leser, die nachfragen. Die Lesung in der Stadtpfarrkirche war ein regionales Ereignis, obwohl weder Walser noch Wallraff angesagt waren. Es las Wollanik mit Heimvorteil. Die Müncheberger wissen offenbar, was sie an ihrer autorisierten Zustellerin haben.

Viele nahmen ihr Buch in die Hand, kauften und ließen signieren.

Und was hatten sie in der Hand? Da wird von Klassenkeile in der Nachkriegszeit berichtet. In „Monopoly“ hat jemand Angst vor Geselligkeiten, bei denen Spiele zu erwarten sind, und betätigt sich kriminell an einem nervenden Spezialbesserwisser. Wenn einer ist, wie er ist, dann kann man nichts machen, wird gesagt. Schlimm, wenn man, wie in der Titelgeschichte, auf der Unfallstation zusammengesperrt wird mit einer Sauerkrautsaft trinkenden unmobilen Bettnachbarin. Das von ihr ausgehende Schrapen des Aludeckels im Schraubgewinde stört, wie jeder weiß, den Schlaf vor der Visite. Wollaniks Situationsbeschreibungen sind von einer betroffen machenden schönen Umständlichkeit. In „Nachtasyl“ benennt die Autorin die trostlosen Umstände des Gewöhnlichen in der femininen Mitwelt. In „Margeritenhof“ wird ein Männerhaus vorgestellt. Bei „Im Treibhaus“ vollziehen sich die Tage der Wende anhand der Namensänderung des vormaligen „Alextreffs“ bei einem Konzert „der“ Bettina. Schließlich entwickelt die Zeitungsfrau Emily im Dienst bei Neuschnee ihre Philosophie „Für einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“, weil im Arbeitsvertrag festgelegt ist, dass beim Zustellen von Zeitungen festes Schuhwerk zu tragen ist. Das alles ist nicht komisch, aber man liest die Texte mit der unfreiwilligen Heiterkeit, die sicher durchs Leben führt, auch wenn, wie es in einem bitteren Sonett heißt, die nächste Wirtschaftskrise bestimmt kommt, obwohl uns Yin und Yang umschlungen hält. Der Kauf des Buches wird deshalb empfohlen. Jürgen Barber (JB)

 

Datum: 28.08.2011 13:28:27
Betreff: Betreff: NACH-LESBAR
 
Lieber Jürgen,
weil ich alle Rezensionen, die zu dem Büchlein "Zusammengesperrt" und den Lesungen erschienen sind, in meine Homepage aufnehmen will, habe ich jetzt gerade die beiden Texte, die du zur Buchpremiere geschrieben hast, nochmal gelesen. Und das ist gut so. Denn jetzt habe ich erst die richtige Distanz und Muße dazu. Deine Gedanken zu den Texten tun mir gut, sagen sie doch, dass du in vielem nachvollziehen konntest, warum es geht. Angeblich soll man ja nicht für ein Publikum schreiben, sondern wenn schon nicht für sich selbst, was aber ich aber für am wahrscheinlichsten halte, dann doch wenigstens für eine Person, die in vielem nachvollziehen kann, worum es geht. Am besten gefällt mir: 'Das alles ist nicht komisch, aber man liest die Texte mit der unfreiwillige Heiterkeit, die bekanntlich sicher ?(Markierung und Fragezeichen von der Autorin) durchs Leben führt.' Beim Schreiben ist es jedenfalls die unfreiwillige Heiterkeit, die sich eher zwangsläufig, eben unfreiwillig einstellt, wenn die Kacke am Dampfen ist. Wahrscheinlich spiegelt sich darin eine lebenserhaltende Lebenshaltung wider,
Natürlich habe ich mir aus deinen Bermerkungen erst einmal das herausgesucht, was mich erfreut, weil ich ein vorwiegend positive Sicht und Bestärkung brauche. So richtig
Aber ich habe auch darüber nachgedacht, was denn ein 'freundlich erwartender Leser' ist, woran man ihn erkennt,  wer es sein könnte. Und ich habe festgelegt, dass es wohl die offenen, Personen guten Willens sind. Wenn ich an die anderen, die  Gedankenlosen Mäkler denke, kann ich buchstäblich nicht schreiben.
Das einzige, was ich auch damals bei der Buchpremiere schon nicht verstanden habe, ist dein Beharren auf den Hinweise auf das 'feste Schuhwerk', das laut Arbeitsvertrag beim Zustellen zu tragen ist. Die Wirkung dieser Feststellung enststeht doch nur dadurch, dass die Sorge um das feste Schuhwerk, das sich bei meterhohem Schnee sowieso erübrigt, doch erst im Kontrast zu den echten Sorgen wirksam wird, als da sind auf dem Bauch unter dem Auto liegen, bis auf die Knochen durchnässt sein, auf der ungeräumten Treppe stürzen usw. usf. Davon aber weiß der Leser deines Textes ja  nichts, weil er die Geschichte noch nicht gelesen hat.
 
Kurz: Ich bin froh, jetzt alles noch einmal gelesen zu haben und danke dir zum zweiten Mal und jetzt erst recht von Herzen für deine Gedanken und für dein bereitwilliges Einspringen überhaupt. Auch die von dir in der zweiten Mail angemahnte Würdigung der Leistung, den ursprünlichen Text fast halbiert zu haben, gelingt mir erst jetzt tatsächlich. Zwar weiß ich, wie mühsam es ist, sich von dem einmal Gedachten und Geschriebenen zu trennen und etwa sinnvolles Neues aus dem Übrigbleibenden zu machen. Aber das Wissen darum ist die eine, das Machenmüssen die andere Seite. 
Der zweite Text ist der Extrakt des ersten, was ihm wegen der Lese- uns Denkfaulheit der MünchebergerAnzeigenLeser, wie ich sie in der Mehrzahl kenne, nicht schadete. Schade ist es dennoch, dass ein paar kluge Gedanken und Formulierungen auf diese Weise untergegangen sind. Aber sie sind ja nicht ganz aus der Welt, sie stehen demnächst in meiner Homepage und sind für freundlich erwartende Leser jedenfalls NACH-LESBAR.
 
Es grüßt dich und alles Gut für dein Herz
wünscht Erika